DSC Arminia Bielefeld -

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“Unser Masseur kann beim besten Willen kaum etwas ausrichten”

Wir machen eine Zeitreise mit euch: Vor dem ersten Bundesligaspiel in der Vereinsgeschichte des DSC Arminia Bielefeld (Samstag, 15. August 1970, Stadion: Rote Erde, gegnerische Mannschaft: Borussia Dortmund) nahm sich DSC-Cheftrainer Egon Piechaczek Zeit für die Fragen der Bielefelder Medienvertreter. Vor dem Spiel bei sicherlich favorisierten Dortmundern ging der Übungsleiter auch auf die Trainingsumstände an der Bielefelder Radrennbahn ein.

Egon Piechaczek über die sanitären Anlagen auf der Radrennbahn:
“Wenn ich bedenke, was wir auf der Radrennbahn für katastrophale sanitäre Verhältnisse vorfinden, könnte ich die Decke hochgehen. Für 20 Spieler stehen gegenwärtig zwei Duschen zur Verfügung. Davon ist eine fast lebensgefährlich, und meine Leute getrauen sich fast nicht, sie anzustellen. Obwohl uns die Stadt schon lange versprochen hat hier Abhilfe zu schaffen, müssen wir unter Bedingungen arbeiten, die man eigentlichen niemandem zumuten kann.”

…andere Widrigkeiten:
“Unser Masseur kann unter diesen Verhältnissen beim besten Willen kaum etwas ausrichten. Hoffentlich passieren keine Verletzungen, sonst sind wir aufgeschmissen. Die Räume sind außerdem so zugig, dass eigentlich schon alle erkältet sein müssten. Bei einem anderen Bundesliga-Verein wäre so etwas unmöglich.”

…die negative Berichterstattung der heimischen Presse:
“Ich weiß gar nicht, was die Leute eigentlich wollen. Nach zehn Tagen Training kann man doch nicht mehr erwarten. Zuerst stempelt man Arminia von vornherein als sicheren Absteiger ab und dann versucht man uns auf diese Weise fertigzumachen. Abgerechnet wird zum Schluss. Soll ich denn die Flinte vorher schon ins Korn werfen?”

Wir haben uns die Stadion-Zeitung von Borussia Dortmund liefern lassen und dort die wichtigsten Aussagen vom gegnerischen Übungsleiter herausgesucht.

BVB-Trainer Horst Witzler über die Erwartungshaltung:
“Jeder glaubt wohl, dass dieser Gegner nicht nur geschlagen, sondern hochgeschlagen werden muss. Ich hoffe zwar auf einen guten Meisterschaftsstart, aber leicht wird unsere Aufgabe nicht, und ich wäre schon mit einem knappen Erfolg zufrieden.”

…über die Einstellung seiner Eleven:
“Ich bin überrascht von der vorbildlichen Einstellung der gesamten Mannschaft. Von der Art und Weise, wie sie “mitzieht”, wie sie selbst die härtesten Belastungsproben auf sich genommen hat. Von der Einstellung und vom Willen her, müssten wir etwas erreichen!”

…seine Marschroute:
“Solange Arminia nicht betont offen, aber auch nicht übertrieben defensiv spielte, haben wir sie mit SW Essen stets geschlagen. In der vergangenen Saison, als mit Piechaczek ein neuer Trainer kam und das Konzept abänderte, gab es zwei Niederlagen. Mit dem nun praktizierten “Superbeton” (8 oder 9 Spieler in der Abwehr) und einem vorne lauernden Kuster war dieser Mannschaft schwer beizukommen.”

Wie geht’s nun weiter:
Morgen (Freitag, 14. August 1970) wird es ein leichtes Auflockerungstraining geben, bevor sich Trainer und 15 DSC-Spieler ins Hotel Uffmann in der Nähe von Bielefeld zurückziehen. Hier soll fernab vom Alltag nochmal Kraft getankt werden, ehe die Arminen am Sonnabend nach dem Mittagessen mit dem Bus nach Dortmund reisen.

Mit freundlicher Unterstützung vom MAFA, dem Kicker und dem Borussen-Echo aus dem Jahre 1970.

Die aktuelle PK zum dann jetzt 600. Bundesligaspiel des DSC haben wir hier natürlich auch noch für euch.